Bericht aus dem Bundestag: Wie sich die Zeitenwende wirtschaftlich auswirkt

19. November 2025

Liebe Genossinnen und Genossen,

bedingt durch die erfolgreiche Reise von Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil nach China möchte ich Euch dieses Mal verdeutlichen, wie sich die Zeitenwende in puncto Wirtschaft ganz konkret hier in Deutschland auswirkt - und welche Probleme dabei sichtbar werden. Denn trotz aller Fortschritte bleibt unsere Wirtschaft in zentralen Bereichen stark abhängig von globalen Lieferketten und ausländischen Technologiekonzernen.

Die geplante Chipfabrik von TSMC in Dresden ist eine direkte Antwort auf diese Abhängigkeit. Sie steht für die Vision einer stärkeren europäischen Halbleiterproduktion - getragen von Milliardeninvestitionen, staatlicher Förderung und einer bewussten Standortentscheidung. Unter Beteiligung von TSMC, Infineon Technologies AG, Robert Bosch GmbH und NXP Semiconductors N.V. entsteht ein Werk, das erstmals wieder substanzielle Realproduktion von Chips in Europa ermöglichen soll.

Doch: Vision und Realität klaffen hier in Teilen auseinander. Die Herausforderungen sind real - hohe Produktions- und Energiekosten, aufwendige Genehmigungs- und Infrastrukturprozesse, Fachkräftemangel - all das macht Standortentscheidungen schwieriger als oft angenommen. Laut einer Analyse kämpft TSMC mit der gewaltigen Differenz zwischen den Bedingungen in Taiwan oder den USA und denen in Europa.

Und genau hier liegt einer der Punkte, an denen wir in Deutschland besser werden müssen: schnellere, verlässliche Genehmigungen, die nicht Jahre dauern, sondern Investitionen ermöglichen, statt sie auszubremsen. Gleichzeitig brauchen wir die Fähigkeit, internationales Know-how - ob aus Taiwan, den USA oder anderswo - in unsere Arbeits- und Unternehmenskultur einzubetten, ohne dass alles an Bürokratie, Sprachbarrieren oder komplizierten Strukturen hängenbleibt. Wenn wir diese Offenheit hinbekommen und unsere Prozesse modernisieren, dann wird Deutschland für Hightech-Investitionen nicht nur erreichbar, sondern wirklich attraktiv.

Mit freundlichen Grüßen
Sebastian Roloff

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