Der Bericht aus dem Stadtrat von Barbara Likus
Wenn Menschen Opfer sexueller Gewalt werden, brauchen sie nicht nur medizinische Hilfe. In dieser seelischen Ausnahmesituation brauchen sie Ansprechpersonen, die auch Wissen über psychosoziale Zusammenhänge, rechtsmedizinische Methoden und strafrechtliche Aspekte haben. Hier gab es vor ein paar Jahren eine klaffende Versorgungslücke – das medizinische Fachpersonal war in der Regel nicht ausreichend geschult, und die Beweissicherung wurde von der Krankenkasse nicht übernommen. Wer die Spuren sichern wollte, musste zwangsläufig zur Polizei und sofort eine Anzeige aufgeben. Für jemanden in einer psychischen Ausnahmesituation bedeutet das einen enormen Druck und hat in der Vergangenheit eher dazu geführt, dass sich eben keine Hilfe gesucht wurde – und etwaige Beweise nicht rechtzeitig gesichert werden konnten.
Auf SPD-Initiative hat sich die Lage deutlich verbessert: Die Stadtverwaltung hat inzwischen über 100 Fachkräfte geschult. Außerdem wurde ein eigenes Testkit entwickelt, das die Dinge, die unmittelbar geschehen müssen, in den Mittelpunkt stellt: Versorgung und Beweissicherung. Die Strafverfolgung ist dann der mögliche zweite Schritt.
Das Testkit ist ein Vorzeigeprojekt: Seit 2022 steigt die Zahl gesicherter Spuren stetig an. In naher Zukunft wird das Kit bayernweit zur Spurensicherung eingesetzt werden. Besonders wichtig: Es ist auch möglich, die Spuren erstmal vertraulich zu sichern, ohne Einbindung der Polizei. So können sich Betroffene zu einem späteren Zeitpunkt selbstbewusst für oder gegen eine Anzeige entscheiden. Auf der Internetseite des Frauennotruf München sind unter dem Stichwort „Hilfe nach Vergewaltigung“ die wichtigsten Informationen und Ansprechpersonen zusammengefasst. Apropos Vorzeigeprojekt: Für die Münchner Akutversorgung nach Vergewaltigung hat die Stadt jüngst den MSD Gesundheitspreis bekommen.